Vita
Barbara Graf-Brauneder

Mein größter Traum war es schon seit ich denken kann, Sängerin zu werden.
Musik machte mich glücklich, durch sie konnte ich mich entfalten und meine Gefühle zum Ausdruck bringen. Ich lernte mit 5 das Spiel auf der Blockflöte, spielte mit 7 auch im Flötenensemble unter Joszi Naray und hatte damit meine ersten Auftritte in Konzert und Rundfunk. Mit 9 lernte ich Klavier bei Franz Stangl. Ich sang schon als Kind mit Begeisterung mit anderen und besuchte während meiner Schulzeit den Kinder- und den Schulchor und mit 12 den Kirchenchor unter Joszi Hofer und den Stadtchor unter Walter Franz in Güssing, mit 14 war ich bei der Gründung des Vokalensembles Cantus Felix unter der Leitung meines Klavierlehrers dabei, wo ich bald schon als Solistin hervorstechen durfte.
Nach und nach setzten mich auch die anderen Güssinger Chöre als Solistin ein. Als Naray Josef das Flötenensemble auflöste, gründete ich das mittelalterliche Ensemble Henrici filii bani, wobei Thomas Stimpfl, und Hubert Hanzl auf der Gitarre, Heindl Rene am Schlagzeug, Jautz Yvonne und Christine Hochwarter mich auf der Blockflöte unterstützten, nebenbei wurde auch Liedgut aus der Renaissance und dem Barock gesungen.
Nach zwei Jahren jedoch wurde auch dieses Ensemble aufgelöst, da die Zeit als Student uns in alle Richtungen verstreute. Ich ging nach Graz und machte eine pädagogische Ausbildung, sang auch hier im Chor und hatte im Rahmen der Musiklehrerausbildung (mein Zweitfach) Gesangsunterricht unter Julius Koller und sang im Pädakchor unter Josef Pöschl sowie im Chor der Religionslehrer. Auch hier überließ man die Solis mir und so war ich auch bei Cd-Aufnahmen mit Gospels und Spirituals und Weihnachtsliedern solistisch dabei. Nach meiner Ausbildung ging ich zurück in meine Heimatstadt, wo ich unterrichten konnte und mich auch gleich als Chorleiterin für einen Kinderchor bewährte, der zum Martinsfest einen Auftritt mit dem Martinslied im Fernsehen hatte.

Auch beim Musical in Güssing war ich öfters mit dabei, so spielte ich unter Peter Wagner mit in den Uraufführungen von der Weißen Frau, Musik stammte von Arthur Fandl (den ich sehr schätze) und Hugo, das Gespenst aus der Achterbahn, die Musik stammte von Jan Sokol (den besten Freund, den ich je hatte und der mich musikalisch sehr unterstützte, jedoch viel zu früh verstarb) und unter Marianne Resetarits und Josef Naray Jesus Christ Superstar. Durch sie kam ich auch zum Faschingskabarett, wo ich meistens mit Operetten und Musicalnummern mitwirken konnte
Was mich seit Kindheitsbeinen an neben dem Singen große Freude bereitete, war das Theater. Schon mit 3 Jahren durfte ich ein kleines Weihnachtsbäumchen im Weihnachtstheater der katholischen Jungschar spielen, mit 10 spielte ich dann im Schultheater und bei den Burgspielen in Güssing war ich zunächst nur gesanglich vom Band, ab der Landflucht unter Frank Hofmann jedoch als Schauspielerin vertreten. Ich spielte dann noch unter der Leitung von Martin Weineck, Erwin Jungnickl, Laszlo Maletzky und zuletzt auch Sabine James.
Von 1994 bis 1997 leitete ich die Katholische Jungschar und Jugend und war somit Regisseurin beim Weihnachtstheater, führte auch Regie bei der Güssinger Riesenschlange, eine kurze Sage, die zur Eröffnung der Landesausstellung „Märchen und Sagen“ in Güssing vor allem auch fürs Fernsehen aufgeführt worden ist, der Text stammte von Heinz Koller, die Musik von mir. Während dieser Zeit nahm ich auch Gesangsunterricht bei Erszebeth Farkasz und 1997 bei Theresa Mittel.

Bei der Aufführung der Landflucht lernte ich Elsa Ludwig kennen, die mich drängte, doch ein Musikstudium zu machen, so beschloss ich, meinen Kindheitstraum endlich zu erfüllen und mich ganz der Musik zu widmen. Ich ging nach Wien, wo ich durch den Musikkritiker Walter Dobner und dessen Frau Heide Dobner zu Christopher Norten Welsh kam, der mein Potential erkannte und bei dem ich das erste Mal mit Partien wie Agathe aus dem Freischütz oder an Oratorien wie den Messias in Kontakt kam. Nach einem Jahr Intensivstudium kam ich ins Franz Schubert Konservatorium zu Hui Ming Yang und die Korrepetitorin Katharina Foung wurde eine wichtige Person in meinem Leben, mit der ich mehrere Konzerte und Liederabende absolvieren durfte.
Ich besuchte einen Meisterkurs bei Sabine Agirbar mit dem Themenschwerpunkt Gesang und Bewegung auf der Bühne und brillierte bei der Abschlussvorführung mit Teilen aus der Oper Freischütz als Agathe und Figaros Hochzeit als Gräfin. Nachdem ich das Diplomstudium mit gutem Erfolg abgeschlossen hatte, ging es ins Praynerkonservatorium in die Opernklasse zu Marguerita Kyriaki und Max Csencsics. Hier durfte ich Partien singen wie 1. Dame aus der Zauberflöte, Micaela aus Carmen, Susanna und die Gräfin aus Hochzeit des Figaros, Marie aus der Verkauften Braut, Frau Fluth aus den Lustigen Weibern von Windsor, die Baronin im Wildschütz.
„Ich lernte bei einer gemeinsamen Oratoriumsaufführung die wunderbare Mezzosopranistin Rannveig Brada-Postl kennen und sie wurde meine neue Gesangslehrerin. Bei ihr konnte ich mir sehr viel Wissen über Technik und Ausdruck aneignen und sie war es auch, die mein Potential im Wagnerfach erkannte.“
Ich sang sehr viel bei Konzerten, in Messen aber auch Oratorien. Vor allem der Kirchenchor in Güssing engagierte mich für Großereignisse, wie dem Oratorium „Arzt der Armen“ oder Rundfunkmessen, aber auch das Vocalensemble Cantus Felix holte mich zu jeder musikalischen Gelegenheit nach Hause und ich durfte bei Uraufführungen von Messen (Franziskusmesse, Burgenlandmesse,…) und Oratorien (Pelikan) mitwirken und an Konzertreisen nach Amerika, Kanada, Belgien, Ungarn, Kroatien und Serbien teilnehmen. Es gab unvergessene Konzerte zusammen mit Florian Resetarits, begleitet von Christian Richter am Klavier und der Klarinettistin Marie-France Sylvestre.

2007 heiratete ich meinen Mann Christian Brauneder und mein erster Sohn Christopher kam zur Welt. Kurz danach kam ich ins Opernstudio von Robert Sima, hatte zunächst musikalische Arbeit mit Tony Neider, kam aber dann bald zur Pianistin Elena Gertcheva. Mit dem Opernstudio ging es oft auf kleine Tourneereisen, hier war ich zu sehen als Agathe im Freischütz, Mutter in Hänsel und Gretel, Gräfin in Figaros Hochzeit, Baronin im Vogelhändler, war in den Opernpasticcios Die Patin 1 und 2 als Bianca zu sehen (mit verschiedenste italienische Arien) und studierte Partien ein, wie Soeur Angelica und Rosalinde. Elena Gertcheva spielt für meinen musikalischen Werdegang eine ganz besondere Rolle. Mit ihr baute ich mir ein umfangreiches Opernrepertoire auf, dazu gehören Santuzza, Tosca, Turandot, Leonore di Varga, Elsa und Elisabeth.
Durch Elena lernte ich Christine Bahlo kennen und wurde mit der Technik der von ihr entwickelten Vocal Constellation vertraut, dadurch können sich Sänger viel leichter mit neuen Rollen identifizieren sowohl Blockaden abbauen und Selbstsicherheit gewinnen.
2010 bis 2013 war ich Ensemblemitglied der Leipziger Kammeroper, vor allem mit dem Opernpasticcio „See you in Wallhalla“ war ich als Birgit Nilsson unterwegs und durfte Arien und Duette von Wagner zusammen mit Verena Barth und Katharina Wingen in Szene setzen. Es gab in Deutschland keinen Wagnerverband, der uns nicht gebucht hatte, zweimal durften wir bei der Eröffnung der Wagnerfestspiele in Bayreuth unser Stück zum Besten geben und auch auf großen deutschen Theater- und Opernbühnen waren wir damit zu Gast. Nebenbei gab es Konzertreihen mit Operetten und Wienerliedern, aber auch italienische Galaabende.
Meine Familie übersiedelte nach Gumpoldskirchen bei Mödling und ich verbesserte meine Technik bei Kammersänger Michael Papst, mit dem ich zusammen italienische Abende singen durfte, aber auch durch ihn als Palmatica im Bettelstudent bei den Wiener Festwochen 2014 auftreten konnte. 2014 wurde mein zweiter Sohn Benjamin geboren. Ich machte meinen BEd und schließlich legte ich meine Magisterprüfung zum Musikpädagogen am Franz Schubert Konservatorium 2016 mit ausgezeichnetem Erfolg ab.
2016 war ein hartes Jahr für mich. Ich erlitt einen Bandscheibenvorfall im Bereich des 5./6. Halswirbels und konnte meine Hände nicht mehr bewegen. Im Jänner 2017 wurde ich von Dr Camillo Sheriff operiert. Seither trage ich ein Implantat im Hals. Ich begann zu lernen, wie schön das Leben ist und dass es zu kurz ist, um sich mit belastenden Dingen zu ärgern. Meine Liebe zur Musik half mir durch diese schweren Zeiten und ich danke Gott dafür, dass ich heute noch immer singen kann, dass er dieses Wunder an mir vollbracht hat. Ich gab ihm das Versprechen, ab jetzt meine Stimme so oft es geht erklingen zu lassen.
Seither arbeitete ich mit Pianisten wie Mika Pulcharski, Sieglinde Michalko, den Komponisten Günther Mohaupt und Szveta Dimitrova an diversen Konzertprogrammen und neuem Repertoire. Ich gebe Soloabende, wirke bei Messen und Oratorien als Solistin mit und gebe privaten Gesangsunterricht.
.Im Jahr 2016 übernahm ich die musikalische Einstudierung der Burgspiele Güssing sowohl für das Jugend- wie auch für das Erwachsenenensemble. Produktionen waren bisher bei den Erwachsenen „Casanova“(2016), „Der Sommernachtstraum“(2017), „Die lustigen Weiber von Windsor“(2018) und „In 80 Tagen um die Welt“(2019). Ich spielte hier auch hin und wieder bei Produktionen mit, so die egozentrische Operndiva und Mutter des Casanovas im Casanova oder die Kupplerin Frau Hurtig in Die lustigen Weiber von Windsor. Bei den Kindern übernahm ich die musikalische Leitung für „Der gestiefelte Kater“ (2016), „Die goldene Gans“(2017), „Ein kleiner Sommernachtstraum“(2018) und „Doktor Dolittle“(2019). Bei „Doktor Dolittle“ durfte ich seit langem wieder mein Können als Regisseurin gemeinsam mit Sabine James unter Beweis stellen.
Seit 2018/19 bin ich Lehrkörper an der MMS Gumpoldskirchen und unterrichte Religion, Chor, Musik und Instrumentalensemble. Im Moment versuche ich mich selbst als Autorin und Komponistin für Kinderstücke, nach dem Vorbild von Sabine James und Günther Mohaupt.
Am Beginn dieses Jahres habe ich mich durchgerungen, einen langen Wunsch von mir wahr werden zu lassen und mein eigenes Tourneetheater „Die Diven aus dem Wienerwald“ gegründet. Dabei sehr hilfreich zur Seite standen mir mein Mann Christian und meine Freundin aus Bonn Katharina Wingen. Es gesellten sich gute Freunde aus Gumpoldskirchen dazu, die hinter der Bühne als Verein wirken und unterstützen wollen, sowie wunderbare Menschen und Künstler, die schon an den ersten Stücken arbeiten. Gerne würden wir jetzt schon loslegen und die Bühnen Österreichs erobern, aber auch uns hält das Coronavirus in unserem Tatendrang auf.